Verbindungsabbruch in ELBA

Anleitung — Verbindungsabbruch in ELBA technisch aufzeichnen und lokalisieren

Browser-übergreifend (Firefox · Chrome · Edge)

Zielsetzung

Diese Anleitung beschreibt, wie ein lokaler IT-Techniker einen auftretenden Verbindungsabbruch auf dem ELBA-Ländermodul so aufzeichnet, dass die Ursache nachvollziehbar wird. Typische Symptome sind Browser-Meldungen wie „Reconnecting…" oder „Verbindung verloren", unterbrochene Datei-Uploads oder spürbar verzögerte Seitenwechsel. Mögliche Verursacher im lokalen Pfad zwischen Arbeitsplatz und Server: HTTPS-Inspektion durch Sicherheits-Software, Firewall-/Proxy-Regeln, ein gestörtes Browser-Profil oder zwischengeschaltete Netzwerk-Komponenten.

Voraussetzungen

Hinweis zur Notation: Tastenkombinationen und Menüpfade werden, soweit identisch in allen drei Browsern, einmal genannt. Wo sie sich unterscheiden, sind sie ausdrücklich pro Browser aufgeführt.

Begriffsklärung „ELBA-Ländermodul": Damit ist die für das jeweilige Bundesland ausgerollte ELBA-Adresse gemeint, jeweils unter der Form <land>.bvpi-elba.de — beispielsweise sn.bvpi-elba.de für Sachsen, bw.bvpi-elba.de für Baden-Württemberg, by.bvpi-elba.de für Bayern usw. In den nachfolgenden Schritten ist überall die im konkreten Bundesland produktiv genutzte Adresse einzusetzen.

Hinweis zu Browser-Versionen: Browser-Hersteller passen Menüstrukturen und Bezeichnungen mit jedem Update geringfügig an. Sollte ein in dieser Anleitung genannter Menüpunkt unter genau dieser Bezeichnung nicht zu finden sein, ist die Funktion in der Regel mit gleicher oder ähnlicher Benennung in einem benachbarten Menü erreichbar.

Schritt 1 — Symptom dokumentieren

Installierte Endpoint-Security identifizieren (mehrere Wege, mindestens einer reicht)

  1. Schnellster Weg — Server-Zertifikat im Browser prüfen. Das ELBA-Ländermodul im Browser öffnen, dann auf das Schloss-Symbol in der Adressleiste klicken. Der Pfad zum Zertifikat unterscheidet sich leicht:
    • Firefox: Schloss → „Verbindung sicher" → „Weitere Informationen" → Schaltfläche „Zertifikat anzeigen"
    • Chrome: Schloss → „Verbindung ist sicher" → „Zertifikat ist gültig"
    • Edge: Schloss → „Verbindung ist sicher" → Zertifikat-Symbol oben rechts im Pop-up
    Im Zertifikats-Dialog beim Feld Aussteller (engl. „Issued by") prüfen:
    • Aussteller ist eine bekannte öffentliche CA (z. B. Let's Encrypt, DigiCert, Sectigo, GlobalSign) → keine HTTPS-Inspektion aktiv, der Datenverkehr läuft ungebrochen zwischen Arbeitsplatz und ELBA-Server.
    • Aussteller ist eine lokale CA mit AV-Hersteller-Namen oder generischem Firmen-Namen, z. B. ESET SSL Filter CA, Avast Web/Mail Shield Root, Kaspersky Anti-Virus Personal Root, Bitdefender Personal CA, Sophos SSL CA, F-Secure, Symantec Endpoint Protection, Zscaler Root CA, FortiGate CA, <Firmenname> Proxy CAHTTPS-Inspektion ist aktiv, der Hersteller ist direkt ablesbar. Dieses Produkt steht ab sofort an Position 1 der Verdächtigenliste.
  2. Liste installierter Programme. Windows-Einstellungen → Apps → Apps & Features. Nach typischen AV-/Endpoint-Herstellern filtern: AVG, Avast, Avira, Bitdefender, ESET, F-Secure, G DATA, Kaspersky, McAfee, Norton, Sophos, Symantec, Trend Micro, Webroot, Windows Defender, Malwarebytes.
  3. Windows-Sicherheits-Center. Einstellungen → Datenschutz und Sicherheit → Windows-Sicherheit → Anbieter. Zeigt den aktiv registrierten Virenschutz und ggf. zusätzliche Sicherheits-Produkte.
  4. Per PowerShell (mit Administratorrechten):
    Get-CimInstance -Namespace root/SecurityCenter2 -ClassName AntivirusProduct | Select-Object displayName
      Get-CimInstance -Namespace root/SecurityCenter2 -ClassName FirewallProduct  | Select-Object displayName
    Listet alle bei Windows registrierten Virenschutz- und Firewall-Produkte mitsamt Anzeigenamen.

Schritt 2 — Browser-Aufzeichnung (HAR-Datei)

Eine HAR-Datei enthält alle Netzwerk-Anfragen einer Browser-Sitzung mit Zeitstempel, Status, Headern und Antwortzeiten. Sie ist das wertvollste Einzel-Diagnose-Artefakt.

  1. Das ELBA-Ländermodul im Browser öffnen und am Login anmelden — noch nicht arbeiten
  2. Mit F12 (oder Strg+Umschalt+I) die Entwicklerwerkzeuge öffnen — in allen drei Browsern identisch
  3. Den Netzwerk-Reiter wählen:
    • Firefox: Reiter Netzwerkanalyse
    • Chrome: Reiter Network bzw. Netzwerk
    • Edge: Reiter Netzwerk
  4. Folgende Optionen aktivieren — sie verhindern, dass Diagnose-Daten beim Seitenwechsel oder durch den Browser-Cache verloren gehen:
    • Firefox: Zahnrad-Symbol oben rechts im Netzwerkanalyse-Reiter → Persistente Protokolle aktivieren und HTTP-Cache deaktivieren, solange das Werkzeug geöffnet ist
    • Chrome: Oberhalb der Anfrageliste die Optionen Preserve log bzw. Protokoll beibehalten und Disable cache bzw. Cache deaktivieren setzen
    • Edge: Identisch zu Chrome — Protokoll beibehalten und Cache deaktivieren setzen
  5. Sicherstellen, dass die Aufzeichnung aktiv ist (in Chrome/Edge ein roter Kreis oben links im Netzwerk-Reiter; in Firefox läuft die Aufzeichnung automatisch, sobald der Reiter geöffnet ist)
  6. Mit der gewohnten Arbeit am Anwender-Arbeitsplatz beginnen und so lange weiterarbeiten, bis der Verbindungsabbruch eintritt
  7. Den genauen Zeitpunkt des Abbruchs notieren
  8. Nach dem Abbruch im Netzwerk-Reiter mit Rechtsklick auf einen beliebigen Eintrag in der Anfrageliste:
    • Firefox:Alle als HAR speichern
    • Chrome:Save all as HAR with content bzw. Alle als HAR-Datei mit Inhalt speichern
    • Edge:Inhalt als HAR speichern bzw. Save all as HAR with content
  9. Datei mit aussagekräftigem Namen abspeichern, z. B. elba-abbruch-2026-MM-TT-HHMM.har

Schritt 3 — Browser-Konsole sichern

Parallel zum Netzwerkmitschnitt die Konsolenmeldungen sichern — dort erscheinen WebSocket- und JavaScript-spezifische Fehler im Klartext.

  1. In den Entwicklerwerkzeugen den Reiter Konsole (engl. Console) öffnen — in allen drei Browsern identisch benannt
  2. Filter so einstellen, dass alle Meldungstypen sichtbar sind (Fehler, Warnungen, Informationen, Debug)
  3. Den Inhalt komplett markieren und in eine Textdatei kopieren — z. B. elba-konsole-2026-MM-TT-HHMM.txt

Schritt 4 — Gegenprobe mit mobilem Datennetz

Dieser Test isoliert das Firmennetzwerk und ist diagnostisch hochwertig:

  1. Smartphone als WLAN-Hotspot konfigurieren (Mobilfunknetz, nicht Firmen-WLAN)
  2. Den Arbeitsplatz vom Firmennetz trennen und ausschließlich über den mobilen Hotspot verbinden
  3. Mit demselben Browser und Profil dieselbe Tätigkeit ausführen
  4. Ergebnis A: Verbindungsabbruch tritt im Hotspot-Betrieb nicht mehr auf → Ursache liegt im Firmen-Netzwerkpfad (Firewall, Proxy, HTTPS-Inspektion am Gateway)
  5. Ergebnis B: Verbindungsabbruch tritt auch im Hotspot-Betrieb auf → Ursache liegt im Arbeitsplatz selbst (Browser-Profil, Endpoint-Security, lokale Antivirus-Lösung)

Schritt 5 — Browser-Profil isolieren

Wenn Ergebnis B (Schritt 4) eintritt, gezielt das Browser-Profil eingrenzen:

  1. Ein privates Fenster öffnen und dort am ELBA-Ländermodul anmelden — Erweiterungen sind dabei standardmäßig deaktiviert:
    • Firefox: Strg+Umschalt+P (Privates Fenster)
    • Chrome: Strg+Umschalt+N (Inkognito-Fenster)
    • Edge: Strg+Umschalt+N (InPrivate-Fenster)
    Läuft es im privaten Fenster sauber → Ursache ist eine Browser-Erweiterung oder ein gestörter Profilzustand (Cookies, Cache).
  2. Ein neues, sauberes Browser-Profil anlegen und dort ohne Erweiterungen testen:
    • Firefox: Adressleiste about:profiles → „Neues Profil erstellen"
    • Chrome: Profil-Symbol oben rechts → „Hinzufügen" / „Weitere Person hinzufügen", oder chrome://settings/manageProfile
    • Edge: Profil-Symbol oben rechts → „Profil hinzufügen", oder edge://settings/profiles
    Läuft es im neuen Profil sauber → das alte Profil ist gestört; sauberer Neuaufbau empfohlen.
  3. Browser-Erweiterungen einzeln deaktivieren (Werbeblocker, Tracking-Schutz, Cookie-Manager, NoScript) und Verhalten beobachten. Pfad zur Erweiterungs-Verwaltung:
    • Firefox: about:addons
    • Chrome: chrome://extensions
    • Edge: edge://extensions

Schritt 6 — Endpoint-Security testweise deaktivieren

Antivirus- und Endpoint-Security-Lösungen können WebSocket-Verbindungen durch HTTPS-Inspektion / Web-Schutz / Deep Packet Inspection stören. Häufig betroffen: Avast, Bitdefender, ESET, F-Secure, Kaspersky, Norton, Sophos.

Vorab-Indikator aus Schritt 1: Wenn der Zertifikats-Check ergeben hat, dass ein lokaler AV-/Proxy-Aussteller das ELBA-Zertifikat ersetzt, ist HTTPS-Inspektion nachweisbar aktiv — der Test in diesem Schritt zielt dann gezielt auf dieses identifizierte Produkt.

  1. Nach Rücksprache mit dem Anwender den HTTPS-/Web-Schutz kurzzeitig deaktivieren oder eine Ausnahme für die ELBA-Domain *.bvpi-elba.de einrichten (deckt alle Ländermodule ab)
  2. Mit derselben Aktion das Verhalten erneut testen
  3. Nach dem Test den Schutz wieder aktivieren — Ausnahmen für die ELBA-Domain bei Bedarf dauerhaft eintragen

Schritt 7 — Firewall / Proxy prüfen

Im Firmennetz mit Firewall oder Web-Proxy folgende Aspekte prüfen lassen:

Schritt 8 — Optional: Netzwerk-Mitschnitt (Wireshark)

Falls Schritte 4–7 die Ursache nicht eindeutig eingrenzen, ein paralleler Wireshark-Mitschnitt während eines weiteren Abbruchs:

  1. Wireshark auf dem Arbeitsplatz starten, Aufzeichnung auf dem produktiv genutzten Netzwerkinterface beginnen
  2. Capture-Filter (optional, zur Reduktion): host <land>.bvpi-elba.de — also den im jeweiligen Bundesland verwendeten Hostnamen einsetzen (z. B. host sn.bvpi-elba.de für Sachsen)
  3. Während des Abbruchs weiter aufzeichnen, danach Aufzeichnung stoppen
  4. Mitschnitt als .pcapng speichern
  5. Relevante Pakete unmittelbar vor dem Abbruch interpretieren:
    • TCP RST vom Client → lokale Software (AV, Firewall) hat die Verbindung gekappt
    • TCP RST vom Server → serverseitig oder durch zwischengeschaltete NAT/Proxy-Box
    • TLS close_notify Alert → ordentlicher Verbindungsabbau, vermutlich durch HTTPS-Inspektion
    • Stille — kein Paket vor dem Abbruch → reine Idle-Timeout-Trennung (Firewall-Stateful-Inspection)

Zu sammelnde Artefakte für die Auswertung

Das ist vollständiges HTML mit: -

/

/

für die Überschriften-Hierarchie - für Fettschrift, für Kursiv - für Pfade, Dateinamen und PowerShell-Befehle -

 für den mehrzeiligen PowerShell-Block
  -  für Tastenkombinationen
  - Verschachtelte 
    -Listen entsprechend der Original-Struktur

 


Revision #2
Created 16 January 2024 13:32:08 by Sebastian Langwald
Updated 9 June 2026 10:22:32 by Sebastian Langwald